Kostenrückerstattung für Pflegebett & Co

15. 03. 16

Welche Möglichkeiten gibt es über das Finanzamt?

Man hört immer wieder, dass die Österreicher dem Finanzamt einfach zu viel Geld schenken. Das betrifft auch die Krankheitskosten! Bei der Steuererklärung (Einkommensteuererklärung bzw. Arbeitnehmerveranlagung/ "Jahresausgleich“) können einige Ausgaben berücksichtigt werden, die schlussendlich zu einer Steuerrückerstattung führen und dem Betroffenen bares Geld bringen. Und das nicht nur für Arbeitnehmer sondern auch für Pensionisten.

Haben Sie dem Finanzamt in den Vorjahren Geld geschenkt? Kein Problem. Die Arbeitnehmerveranlagung kann bis zu 5 Jahre rückwirkend abgegeben werden, d.h. am 31.12.2015 ist der letzte Tag für die Abgabe für das Jahr 2010.

Wir wollen hier einen Überblick über diese Möglichkeiten geben. Individuelle Beratung erhalten Sie bei Steuerberatern (die Steuerberatungskosten sind ebenfalls steuerlich absetzbar) sowie bei der Arbeiterkammer.

 

Krankheitskosten von Angehörigen

Vor allem bei älteren Menschen mit geringen Pensionen werden die Kosten für Betreuung und Hilfsmittel oft von Angehörigen getragen. Auch diese können die Kosten unter gewissen Umständen steuermindern berücksichtigen.

Absetzbar sind Krankheitskosten, welche für die Angehörigen selbst eine außergewöhnliche Belastung darstellen und wenn die Aufwendungen das Einkommen der angehörigen Person derart belasten, dass das steuerliche Existenzminimum von EUR 11.000 unterschritten werden würde. Die Angehörigen, für die die Zahlungen geleistet werden, müssen nicht im selben Haushalt leben.

 

Außergewöhnliche Belastungen

Krankheitskosten zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen, welche unterteilt werden in

  • außergewöhnliche Belastungen mit Selbstbehalt
    sind nur steuermindernd, wenn ein gewisser Selbstbehalt überschritten wird, der sich nach dem Einkommen richtet (ca. ein Brutto-Monatsgehalt)
  • und außergewöhnliche Belastungen ohne Selbstbehalt
    sind vollständig steuermindernd

Wer sich nicht sicher ist, ob die außergewöhnlichen Belastungen (Krankheitskosten, Kurkosten, Betreuungskosten, Begräbniskosten, etc.) den Selbstbehalt überschreiten, sollte sie die Kosten jedenfalls in der Steuererklärung angeben. Sollte der Betrag zu gering sein, wird er vom Finanzamt nicht berücksichtigt.

Außergewöhnliche Belastungen mit Selbstbehalt

Vorbeugende Maßnahmen (z.B. Impfungen, Mundhygiene) zählen nicht zu den absetzbaren Krankheitskosten. Wenn aber bereits eine Krankheit vorliegt, können die damit verbundenen Kosten geltend gemacht werden:

  • Spital-, Kuraufenthalt, Pflegeheim, 24-Stunden-Betreuung (bei Kind im Krankenhaus: Aufenthaltskosten der Begleitperson)
  • Arzthonorare (inkl. Zahnarzt: Zahnprothese, Brücke, Krone)
  • Fahrtkosten in Verbindung mit der Krankheit (Taxi, Kilometergeld, Krankentransportkosten; auch von Angehörigen für die Besuche der erkrankten Person)
  • Medikamente (auch homöopathische Präparate), Rezeptgebühr
  • Heilbehandlungen (auch TCM, Akupunktur, Psychotherapie)
  • Hilfsmittel (Pflegebett, Wechseldruckmatratze, Gehbehelfe, Prothesen, Hörgerät, Brille, KFZ-Adaptionen wie Rollstuhlrampe, Wohnungsadaptierung wie Einbau eines behindertengerechten Bades, etc.)
  • Selbstbehalte

Kurkosten

Auch hier gilt, dass eine Krankheit vorliegen muss, der Kuraufenthalt medizinisch notwendig sein und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen muss. Als Nachweis kann eine ärztliche Bestätigung oder der Kostenersatz durch die Sozialversicherung dienen.

Aufenthaltskosten, Kosten für medizinische Betreuung und Kurmittel sowie Fahrtkosten zum/vom Kurort können steuerlich abgesetzt werden. Im Gegensatz zu den Fahrtkosten der Angehörigen, die erkrankte Personen im Spital besuchen, können z.B. die Besuchsfahrten des Ehepartners zum Kurort nicht als außergewöhnliche Belastung gewertet werden.

Kur-/Spitalaufenthalt

Bei einem Aufenthalt im Spital oder auf Kur ist zu berücksichtigen, dass von den beim Finanzamt geltend gemachten Kosten die sogenannte Haushaltsersparnis abgezogen werden muss, da ein Teil der Haushaltskosten für die Dauer des Spital- bzw. Kuraufenthalts entfallen. Für jeden Tag im Spital oder auf Kur müssen 5,23 € von den Kosten abgezogen werden.

Behinderung

Wenn eine mindestens 25%ige Behinderung vorliegt, muss von den Krankheitskosten kein Selbstbehalt abgezogen werden – die Kosten werden vollständig vom Finanzamt berücksichtigt!

Berechnung Selbstbehalt

Absetzposten in der Steuererklärung mindern grundsätzlich die Steuerbemessungsgrundlage, d.h. die Einkünfte werden um diese Beträge verringert, und danach wird erneut die zu zahlende Einkommensteuer berechnet. Die Differenz ergibt dann die Steuergutschrift.

Bei den außergewöhnlichen Belastungen mit Selbstbehalt mindert nur der Betrag, der den Selbstbehalt übersteigt, die Lohnsteuerbemessungsgrundlage.

Ermittlung der Bemessungsgrundlage:
Steuerpflichtige Bezüge (Jahreslohnzettel Kennzahl 245)
+ sonstige Bezüge (Jahreslohnzettel Kennzahl 220)
- Sozialversicherungsbeiträge der sonstigen Bezüge (Jahreslohnzettel Kennzahl 225)
- Werbungskosten (mind. Werbungskostenpauschale 132 €)
- Sonderausgaben (mind. Sonderausgabenpauschale 60 €)
- außergewöhnliche Belastungen ohne Selbstbehalt
- Kinderfreibetrag, Landarbeiterfreibetrag, Freibetrag für Opferausweis-Inhaber
= Bemessungsgrundlage für den Selbstbehalt

Bemessungsgrundlage   Selbstbehalt
max. 7.300 €   6 %
> 7.300 € bis max. 14.600 €   8 %
> 14.600 € bis max. 36.400 €   10 %
> 36.400 €   12 %

Der Selbstbehalt verringert sich um jeweils 1 %

  • wenn der Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag (AVAB/AEAB) zusteht;
  • für jedes Kind, für das mehr als 6 Monate Familienbeihilfe oder Unterhaltsabsetzbetrag zusteht;
  • wenn der AVAB/AEAB nicht zusteht, Sie aber mehr als 6 Monate im Kalenderjahr verheiratet oder eingetragener Partner sind und nicht dauernd getrennt leben und der Partner max. 6.000 € an Einkünften erhält.

Außergewöhnliche Belastungen ohne Selbstbehalt

Personen mit einer mindestens 25%igen Behinderung (körperlich oder geistig) haben weitere steuerliche Vorteile. Sie können die Mehraufwendungen im Zusammenhang mit ihrer Behinderung absetzen und erhalten steuerliche Begünstigungen in Form von Freibeträgen. Krankheitskosten, die nicht mit der Behinderung in Zusammenhang stehen, stellen außergewöhnliche Belastungen mit Selbstbehalt dar. Die Behinderung muss durch eine amtliche Bescheinigung nachgewiesen werden. Bei Pflegegeldbeziehern geht das Finanzamt automatisch von einer 25%igen Behinderung aus!

Die Kosten einer mind. 25%igen Behinderung des Partners können geltend gemacht werden wenn

  • Anspruch auf den Alleinverdienerabsetzbetrag (AVAB) besteht;
  • kein Anspruch auf den AVAB besteht, das Einkommen des Partners 6.000 € im Jahr aber nicht überschreitet.

Liegt bei einem Kind, für das Familienbeihilfe oder der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, eine mind. 25%igen Behinderung vor, so können auch in diesem Fall die Kosten steuerlich abgesetzt werden. Zusätzlich kann Anspruch auf diverse Freibeträge bestehen.

Es können folgende pauschale Freibeträge oder die tatsächlichen Kosten der Behinderung geltend gemacht werden (pauschale Freibeträge gelten nicht für Pflegegeldbezieher):

Grad der Behinderung   jährlicher Freibetrag
25 – 34 % 75 €
35 – 44 % 99 €
45 – 54 % 243 €
55 – 64 % 294 €
65 – 74 % 363 €
75 – 84 % 435 €
85 – 94 % 507 €
> 94 % 726 €

Ausgaben für Hilfsmittel und Kosten von Heilbehandlungen können zusätzlich zum pauschalen Freibetrag abgesetzt werden. Sie werden auch nicht durch den Bezug von Pflegegeld gekürzt.

Diätverpflegung

Mehrkosten für notwendige Diätverpflegung können abgesetzt werden – entweder in der tatsächlichen Höhe oder in Form von Freibeträgen. Dies gilt auch bei Pflegegeldbezug. In jedem Fall muss eine mind. 25%ige Behinderung vorliegen, wovon mind. 20 % im Zusammenhang mit der Diätverpflegung stehen müssen. Nachgewiesen wird das über einen Bescheid vom Bundessozialamt.

Pauschale Freibeträge für Diätverpflegung (bei mehreren Diätverpflegungen gilt der jeweils höhere Freibetrag):

Krankheit   monatlicher Freibetrag
Zucker, Tuberkulose, Zöliakie, Aids (D1)   70 €
Gallen-, Leber-, Nierenleiden (D2)   51 €
Magenkrankheit oder andere innere Krankheit   42 €

Beträgt der Grad der Behinderung weniger als 25 %, so sind Mehraufwendungen wegen Krankendiätverpflegung unter Berücksichtigung des Selbstbehaltes abzuziehen.

KFZ/Taxi

Ein Steuerfreibetrag von 190 € monatlich steht zu (auch bei Pflegegeldbezug), wenn

  • die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel unzumutbar ist und
  • eine mind. 50%ige Gehbehinderung vorliegt oder es sich um einen Blinden oder Schwerstsehbehinderten handelt, der Blindenzulage oder Pflegegeld ab Stufe 3 bezieht und
  • das KFZ auf den eigenen Namen zugelassen ist.

Wenn alle Bedingungen erfüllt sind, das KFZ aber auf einen Angehörigen angemeldet ist, kann nur das amtliche Kilometergeld für Fahrten im Zusammenhang mit der Heilbehandlung abgesetzt werden.

Steht kein Auto zur Verfügung, so können Taxikosten bis zu 153 € monatlich berücksichtigt werden.

 

Alle Werte sind Stand Dezember 2014. Wir übernehmen keinerlei Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieses Artikels, der eine persönliche Beratung durch einen Steuerberater nicht ersetzt.

 

© Sabine Diemt, Geschäftsführer von cura domestica, in Zusammenarbeit mit Mag. Markus Raml, Steuerberater und Geschäftsführer von Raml und Partner Steuerberatung (www.raml-partner.at)

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