Ernährung bei Wundheilungsstörungen

15. 01. 15

Ernährungstherapie bei chronischen Wunden

Die Störung der Wundheilung beziehungsweise die Entstehung von Dekubitus wird mit zahlreichen Risikofaktoren in Zusammenhang gebracht. Mangelhafte Sauerstoffversorgung des Gewebes, Immunschwäche durch chronische Erkrankungen, hohes Lebensalter und Immobilität beeinflussen unter anderem die Entstehung von chronischen Wunden.

Neben einem medizinischen und pflegerischen Wundmanagement sollte die professionelle Ernährungstherapie durch DiätologInnen im Behandlungskonzept nicht fehlen.

Die Heilung einer Wunde ist durch intensive Um- und Aufbauprozesse gekennzeichnet. Bei einem schlechten Ernährungszustand stehen wichtige Nährstoffe, die für die Wundheilung benötigt werden nicht in ausreichender Menge zur Verfügung.

Mangelernährung durch eine zu niedrige Zufuhr an Energie und/oder Eiweiß erhöht in Zusammenhang mit Immobilität das Risiko für Wundheilungsstörungen um 74 %.1 Nährstoffmangel an den Zellen fördert die Entstehung von chronischen Wunden und Dekubitusgeschwüren. Zusätzlich kommt es bei einer mangelhaften Ernährung zu einem Abbau an Muskelmasse. Dadurch steigt wiederum die Immobilität.

Im Gespräch mit der/dem PatientIn werden Informationen über die Ernährungsgewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen und die Essbiografie erhoben. Portionsgrößen und Verzehrsmengen werden abgeschätzt. Appetit, Kau- und Schluckprobleme müssen in der ernährungstherapeutischen Intervention Berücksichtigung finden. Laborparameter, die eine Mangelernährung markieren, Gewicht, BMI und der Gewichtsverlauf komplettieren die Anamnese. Steht die Möglichkeit zur Messung der Körperzusammensetzung durch BIA zur Verfügung ist dies ein wertvolles Instrument zur Verlaufskontrolle.

Bei PatientInnen, bei denen ein Risiko für Wundheilungsstörungen besteht sollte unbedingt regelmäßig ein Ernährungsscreening durchgeführt werden. Dafür stehen Screeninginstrumente wie beispielsweise das Mini Nutritional Assesment (MNA) zur Verfügung.

Das frühzeitige Erkennen und therapieren einer Mangel- und/oder Unterernährung ist eine wesentliche Maßnahme in der Prävention und Behandlung von chronischen Wunden.

Im Zentrum der ernährungstherapeutischen Intervention stehen die

  • ausreichende Versorgung mit Energie,
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
  • ausreichende Versorgung mit Eiweiß und die
  • ausreichende Zufuhr von Nährstoffen, die in der Wundheilung eine Rolle spielen.

 

Energie

Der Energiebedarf bei PatientInnen mit chronischen Wunden ist erhöht. Hat ein mobiler Patient einen Energiebedarf von 30-35 kcal/kg Körpergewicht2 steigt dieser bei einem Dekubitusgeschwür auf 35–50 kcal/kg Körpergewicht an. Der Energiebedarf errechnet sich aus dem Grundumsatz multipliziert mit einem Aktivitätsfaktor, einem Faktor für die Erkrankung und einer allenfalls erhöhte Körpertemperatur.

 

Eiweiß (Protein)

Eine ausreichende Eiweißversorgung ist Grundvorrausetzung für die Wundheilung. Eiweiß ist wesentlich für die Bildung von Enzymen und Immunglobulinen, Aufbau von Binde- und Granulationsgewebe und stimuliert die Kollagensynthese.

Zur optimalen Eiweißzufuhr gibt es unterschiedliche Empfehlungen der Fachgesellschaften. Mindestens sollte die Zufuhr bei Wundheilungsstörungen bei 1-1,2 g/kg Körpergewicht liegen. Je nach Klassifikation der Wunde kann die Proteinzufuhr auf bis zu 2 g/kg Körpergewicht gesteigert werden.

Hochwertige Eiweißkombinationen abgestimmt auf die Vorlieben der/des PatientIn sollen bevorzugt zum Einsatz kommen.

 

Flüssigkeit

Ein Flüssigkeitsmangel bewirkt eine schlechtere Durchblutung und einen schlechteren Transport von Nährstoffen im Körper. Flüssigkeitsmangel erhöht das Risiko für die Entstehung eines Druckgeschwüres und verlangsamt die Wundheilung. Die Empfehlung zum Flüssigkeitsbedarf mit 25-30 ml/kg Körpergewicht bei Gesunden kann sich bei großflächigen Wunden durch hohe Flüssigkeitsverluste durch Wundexudate und durch Fieber massiv erhöhen.

Wundspezifische Mikronährstoffe wie Zink, Vitamin A, C und E, Vitamine des B-Komplexes und die Aminosäuren Arginin und Glutamin sollen ausreichend zugeführt werden. Zur Bedarfsdeckung eignen sich vor allem bei einem höheren Dekubitusstadium und schwerwiegenden Wundheilungsstörungen Nährstoffsupplemente oder wundspezifische Trinknahrungen. So kann mit einem geringen Volumen eine große Nährstoffdichte zugeführt werden.

 

Ernährungsmonitoring

Die Energie- und Eiweißzufuhr sollte dokumentiert werden um festzustellen, ob die Zufuhr dem abgeschätzten Bedarf entspricht. Die regelmäßige Gewichtskontrolle und die Kontrolle relevanter Laborparameter sollten ebenfalls regelmäßig stattfinden, um die Ernährungstherapie auf ihre Effektivität zu überprüfen.

AnsprechpartnerInnen für die professionelle Ernährungstherapie bei Wunden sind in Österreich Diätologen und Diätologinnen: www.diaetologen.at

 

Quellen:
Veitl V., Prophylaxe und Therapie der Wundheilungsstörung – Bedeutung der Ernährung in Widhalm, Ernährungsmedizin, Deutscher Ärzte Verlag 2009
European Pressure Ulcer Advisory Panel and National Pressure Ulcer Advisory Panel. Prevention and Treatment of pressure ulcers: quick reference guide. Washington DC: National Pressure Ulcer Advisory Panel; 2009
Maierhofer M., Diätologische Behandlung von Wundheilungsstörungen, 23. Februar 2013. Präsentation im Rahmen der Fortbildung „Diabetesberatung/ -schulung“, Verband der Diätologen 2013.
Harris, C. L. & Fraser, C. (2004), Malnutrition in the institutionalized elderly: The effects on wound healing. Ostomy Wound Management, 50 (10), 54-631
AKE, KonsensusstatementGeriatrie, 2010, S. 342

 

© Cornelia Romstorfer-Bauer, BSc., Diätologin
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