Unterstützte Kommunikation - ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel

14. 12. 18

Menschen, die sich sprachlich nicht (mehr) gut ausdrücken können, bekommen Hilfe von Unterstützter Kommunikation.

Das Fachgebiet Unterstützte Kommunikation beschäftigt sich mit der Verbesserung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen, die sich nur schwer artikulieren können bzw. denen die Lautsprache komplett fehlt. Dabei wird eine Kombination mehrerer Elemente der Unterstützten Kommunikation angestrebt:

  • körpereigene Kommunikationsformen (Mimik, Gestik, Gebärden, etc.)
  • nichtelektronische Kommunikationshilfen (Fotos, Piktogramme, reale Gegenstände, etc.)
  • elektronische Kommunikationshilfen (Computer, Tablet PC, Talker, etc.)

 

Wer benötigt Unterstützte Kommunikation?

  • Menschen, die Lautsprache zwar verstehen, sich aber nicht ausreichend ausdrücken können (z.B. nach Schlaganfall, Kehlkopfkrebs)
  • Menschen, die Hilfe beim Erlernen der Lautsprache benötigen bzw. deren Lautsprache unverständlich ist und die daher auf Unterstützung von Hilfsmitteln angewiesen sind
  • Menschen, die aufgrund der Komplexität von Lautsprache auf Alternativen zurückgreifen müssen

Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis und entscheidend für den Erhalt der Lebensqualität. Die Verwendung Unterstützter Kommunikation ist daher wichtig für Menschen, die in ihrer Kommunikation eingeschränkt sind, um mit ihrer Umwelt in Kontakt zu bleiben bzw. diesen herzustellen, Kontrolle zu behalten und ihre Würde zu wahren. Ohne sie wären sie isoliert.

Aufgrund von Studien kann man davon ausgehen, dass ungefähr ein Viertel der Patienten, deren Leben zu Ende geht, Kommunikationsschwierigkeiten haben. Bei Patienten mit Krebserkrankungen in Kopf und Hals betrifft es mehr als die Hälfte. Abhängig von Müdigkeit, Medikation und einigen anderen Faktoren kann die Kommunikationsfähigkeit bei diesen Patienten variieren.

 

Kommunikationshilfen

Wir möchten hier speziell auf nichtelektronische und elektronische Kommunikationshilfen eingehen, die Senioren und kranke, mit der Sprache eingeschränkte Menschen unterstützen. Wichtig ist, dass diese Kommunikationshilfen dem Anwender immer zur Verfügung stehen und er/sie so immer die Möglichkeit der Kommunikation hat. Man muss sich dabei nicht auf eine Kommunikationshilfe allein konzentrieren. Es könnte auch notwendig sein verschiedene auszuprobieren, bis man die ideale(n) Kommunikationshilfe(n) gefunden hat.

Falls man mit Kommunikationshilfen auf geringe Akzeptanz stößt, sollte man überlegen, in welchen Alltagssituationen der Pflegebedürftige mehr mitbestimmen könnte. Man kann z.B. eine Auswahl an Gerichten bieten, wodurch ihm/ihr die Kontrolle über die eigene Nahrungsmittelauswahl gegeben wird.

 

Nichtelektronische Kommunikationshilfen

Da Senioren mit der Bedienung von Computern oft nicht geübt sind, stellen nichtelektronische Kommunikationshilfen eine große Unterstützung dar. Diese sind einfach und günstig in der Herstellung, robust und leicht zu transportieren. Zu ihnen zählen laminierte Seiten mit Fotos, Symbolen und Buchstaben/Wörtern sowie Karteikarten oder Bücher/Ordner mit wichtigem Vokabular.

Sogenannte Kommunikationstafeln können in Ringbuchmappen abgelegt werden. Sie enthalten wichtige Wörter/Symbole und werden übersichtlicher und einfacher in der Verwendung, wenn die verschiedenen Wortarten (Verben, Nomen, Fragewörter, etc.) mit unterschiedlichen Farben hinterlegt/eingerahmt werden. Auch auf die Anordnung sollte geachtet werden. Häufig verwendete Wörter und Floskeln, das sogenannte Kernvokabular (ich, du, und, ich möchte,…), sollte außen angeordnet werden und immer sichtbar sein. Randvokabular, um auf persönliche Themen hinzuweisen, wird am besten in der Mitte untergebracht. Auf diese Art können mehrere Kommunikationstafeln zu den unterschiedlichsten Themen erstellt werden. Bei einer Ringbuchmappe geht das am besten, indem das Kernvokabular auf der Innenseite am Karton aufgeklebt und das Randvokabular abgeheftet wird. Somit ist das Kernvokabular immer um das Randvokabular herum sichtbar. Wichtig ist bei der Verwendung mehrerer Kommunikationstafeln, dass die Farbkodierung sowie die Anordnung der Symbole (Leserichtung, Satzbau) auf allen Tafeln gleich bleibt. Beim Gebrauch sollten dem Nutzer die gewählten Symbole laut vorgelesen werden, bevor man darauf eingeht. So vermeidet man Missverständnisse durch versehentliches Zeigen auf ein falsches Symbol.

Eine weitere nichtelektronische Kommunikationshilfe stellt die Augenkommunikation dar, die unter anderem bei Wachkomapatienten angewandt wird. Dabei heißt zum Beispiel „Ja“, wenn die Augen geschlossen werden und „Nein“, wenn die Augen offen bleiben. Bei der Augenkommunikation kann mit einer Blickkontakttafel gearbeitet werden. Mit den Augen werden Buchstaben einer Tafel fixiert, womit Wörter gebildet werden, die der Kommunikationspartner ablesen kann.

Elektronische Kommunikationshilfen

Bedingt durch die rasche technische Weiterentwicklung sind gebrauchte Tablets und Laptops oft schon günstig zu erwerben. Sie eignen sich besonders für all jene, die zwar Schwierigkeiten mit dem Reden haben aber noch gut tippen können. Im Gegensatz zu handschriftlichen Notizen sind getippte besser lesbar und rascher geschrieben.

Wenn das Tippen nicht mehr so leicht fällt, stehen zahlreiche Applikationen wie zum Beispiel MetaTalk für iPad zur Verfügung, die einfach zu benutzen und sehr hilfreich sind. Sie enthalten einen umfangreichen Wortschatz, der über große Tasten abrufbar ist. Tasten können aber auch selbst besprochen werden. Ebenso können eigene Fotos und Texte eingebunden werden. Die Bedienung ist einfach und auch für Benutzer ohne Computerwissen geeignet.

 

Fazit

Unterstützte Kommunikation bietet vielfältige Möglichkeiten. Ihre Verwendung ist keine Schande. Egal, ob man nichtelektronische Kommunikationshilfen, zeitgemäße Tablets oder gar eigens dafür entwickelte Geräte verwendet – all das erhöht die Lebensqualität und gibt dem Pflegebedürftigen ein Stückchen Kontrolle über das eigene Leben zurück.

 

© Sabine Diemt, Geschäftsführer von cura domestica, in Zusammenarbeit mit Anja Katteneder, Kommunikationspädagogin im Bereich Unterstützte Kommunikation in Ausbildung

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