Stopp den Druckgeschwüren

14. 11. 19

cura domestica unterstützt den 3. Welttag der Dekubitusprävention

Der Welttag der Dekubitusprävention dient dazu, Dekubitus und dessen Prävention bekannter zu machen. Als Dekubitus werden Druckgeschwüre bzw. das sogenannte Wundliegen bezeichnet. Sie entstehen durch lang anhaltenden oder hohen Druck auf die Haut sowie Scherkräfte. Druckgeschwüre sind viel weiter verbreitet, als man denkt. Gerade bei der Pflege zu Hause sollte man sich des Risikos bewusst sein und entsprechende vorbeugende Maßnahmen treffen.

 

Verbreitung von Druckgeschwüren

  • 4 Millionen Menschen in Europa leiden an Druckgeschwüren
  • 8 - 23 % der Patienten in Spitälern haben Druckgeschwüre
  • ein Großteil der Druckgeschwüre sind Kategorie I und II
  • 95 % der Druckgeschwüre könnten vermieden werden

 

Risikofaktoren, die die Bildung von Druckgeschwüren begünstigen

  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • vermindertes sensorisches Empfinden
  • zu früh geborene Babys
  • erhöhtes Lebensalter
  • Benutzung von Rollstühlen
  • langwierige Operationen
  • Hautfeuchtigkeit (starkes Schwitzen, Harn-/Stuhlverlust, sehr trockene Haut)
  • Über-/Untergewicht
  • Durchblutung und Sauerstoffsättigung beeinflussende Faktoren (z.B. Diabetes)
  • verschiedene medizinische Geräte (z.B. Katheter, Sauerstoffschläuche, Tuben, Halskrausen, etc.)

In professionellen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern kommen spezielle Skalen zur Ermittlung des Dekubitus-Risikos zur Anwendung (z.B. Braden-Skala).

 

Entstehung von Druckgeschwüren

Die Haut kann durch Druck (z.B. von Matratzen, Falten im Leintuch, etc.) beschädigt werden. Wenn über längere Zeit Druck auf Haut und Gewebe ausgeübt wird, kann das Blut in diesem Bereich nicht ausreichend zirkulieren. Dadurch erhält das Gewebe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und wird beschädigt.

Wenn man beim Sitzen nach unten rutscht, entstehen Scherkräfte, da die Haut an der ursprünglichen Stelle verbleibt. Sie wird dadurch gedehnt und kann schließlich reissen.

Druckgeschwüre bilden sich an den sogenannten Prädilektionsstellen, sie können aber überall entstehen. Diese Prädilektionsstellen sind Knochenvorsprünge, vor allem an Kreuzbein/Gesäß, Ferse, Hüftknochen, Hinterkopf oder Schulterblatt.

 

Vorbeugung/Heilung von Druckgeschwüren

Die Kosten der Heilung von 10 Druckgeschwüren entsprechen denen von
     9 Herzschrittmachern, 5 Knieoperationen und 6 Hüftoperationen zusammen oder
     5 Bypassoperationen!
Je nach Dekubitus Kategorie werden diese Kosten auf ca. 14.000 € bis 132.000 € geschätzt.

Eine Heilung von Drückgeschwüren erfolgt durch richtige Lagerung des Patienten (Druckentlastung der Haut mittels Verteilung des Druckes und Bewegung) sowie die Anwendung der Erkenntnisse der modernen Wundbehandlung (teilweise Operationen).

Die Sterblichkeitsrate von Patienten mit Druckgeschwüren ist viermal höher als für die gleiche Gruppe von Patienten ohne Druckgeschwüre.

Die richtige Vorbeugung spart also nicht nur unglaublich hohe Kosten sondern auch starke Schmerzen für den Patienten. Und sie ist nicht kompliziert:

  • Erhaltung und Förderung der Selbstständigkeit und Beweglichkeit
  • Lagerungswechsel, um sowohl starken Druck auf einzelne Körperstellen als auch lang anhaltenden Druck zu vermeiden (lassen Sie sich von Pflegepersonal in die richtigen Methoden sowie das optimale Umlagerungsintervall unterweisen, das je nach verwendetem System variiert)
  • richtige Ernährung (Vermeiden von Mangelernährung, Unter- und Übergewicht, ausreichende Flüssigkeitszufuhr)
  • Wechseldrucksysteme (großzellig, Luftkammern > 10 cm), Anti-Dekubitusmatratzen (spezielle viskoelastische Schaumstoffmatratzen sind effektiver als Standard-Schaumstoffmatratzen), druckverteilende Sitzkissen und Fersenauflagen
  • Pflegebetten, die Lageveränderungen und Umlagerungen erleichtern
  • Verwendung von Hautpflegemitteln, um trockener Haut Feuchtigkeit zuzuführen
  • Verwendung von Hautschutzprodukten, um übermäßiger Feuchtigkeit vorzubeugen
  • bei der Körperhygiene mit dem Handtuch trockentupfen statt trockenreiben
  • keine Massagen zur Dekubitusprophylaxe bei Vorliegen einer akuten Entzündung, geschädigten Gefäßen oder verletzlicher Haut (Scherkräfte!)
  • keine Verwendung von synthetischen Schaffellen, ausgeschnittenen oder ringförmigen Hilfsmitteln oder mit Wasser gefüllten Handschuhen
  • bei sitzenden Personen Verwendung einer Fußstütze, wenn die Füße nicht den Boden berühren
  • Verbringen von begrenzter Zeit im Sitzen in einem Stuhl von Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit
  • regelmäßige Untersuchung der Haut

Optimale Liege- und Sitzpositionen sowie Ernährungstipps finden Sie in der von der APUPA (Austrian Pressure Ulcer Prevention Association) zur Verfügung gestellten Informationsbroschüre in unserem Downloadbereich.

Wir informieren Sie gerne über geeignete Matratzen und Sitzkissen, die wir im Angebot haben.

 

Kategorien von Druckgeschwüren (Dekubitusstufen/-grade)

Kategorie I: Nicht wegdrückbare Rötung

Nicht wegdrückbare, umschriebene Rötung bei intakter Haut - gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung -, die sich nach zweistündiger Entlastung nicht zurückgebildet hat. Bei dunkel pigmentierter Haut ist ein Ablassen möglicherweise nicht sichtbar, die Farbe kann sich aber von der umgebenden Haut unterscheiden. Der Bereich kann schmerzempfindlich, verhärtet, weich, wärmer oder kälter sein als das umgebende Gewebe. Diese Symptome können auf eine (Dekubitus-)Gefährdung hinweisen.

Kategorie II: Teilverlust der Haut

Teilzerstörung der Haut (bis in die Dermis/Lederhaut), die als flaches, offenes Geschwür mit einem rot bis rosafarbenen Wundbett ohne Beläge in Erscheinung tritt. Sie kann sich auch als intakte oder offene/rupturierte, serumgefüllte Blase darstellen. Sie manifestiert sich als glänzendes oder trockenes, flaches Geschwür ohne abgestorbenes Gewebe oder Bluterguss (Blutergüsse weisen auf eine tiefe Gewebeschädigung hin).

Kategorie III: Verlust der Haut

Zerstörung aller Hautschichten. Subkutanes Fett kann sichtbar sein, jedoch keine Knochen, Muskeln oder Sehnen. Es kann ein Belag vorliegen, der jedoch nicht die Tiefe der Gewebsschädigung verschleiert. Es können Tunnel oder Unterminierungen vorliegen. Die Tiefe des Dekubitus der Stufe III variiert je nach anatomischer Lokalisation. Der Nasenrücken, das Ohr, der Hinterkopf und das Gehörknöchelchen haben kein subkutanes Gewebe, daher können Kategorie III-Wunden dort auch sehr oberflächlich sein. Im Gegensatz dazu können an besonders fettreichen Körperstellen extrem tiefe Kategorie III-Wunden auftreten. Knochen und Sehnen sind nicht sicht- oder tastbar.

Kategorie IV: vollständiger Haut- oder Gewebeverlust

Totaler Gewebsverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Belag und Schorf können vorliegen. Tunnel oder Unterminierungen liegen oft vor. Die Tiefe des Kategorie IV-Dekubitus hängt von der anatomischen Lokalisation ab. Der Nasenrücken, das Ohr, der Hinterkopf und der Knochenvorsprung am Fußknöchel haben kein subkutanes Gewebe, daher können Wunden dort auch sehr oberflächlich sein. Kategorie IV-Wunden können sich in Muskeln oder unterstützende Strukturen ausbreiten (Bindegewebe, Sehnen, Gelenkkapseln) und können dabei leicht Osteomyelitis oder Ostitis (Infektionen des Knochen) verursachen. Knochen und Sehnen sind sicht- oder tastbar.

Druckgeschwüre entwickeln sich nicht unbedingt von einer Kategorie zur nächsten sondern können auch einzelne Kategorien überspringen.

 

Erkennung von Druckgeschwüren

Die fälschliche Diagnose von Druckgeschwüren - vor allem der Kategorie I - ist europaweit ein häufiges Problem. Eine besonders hohe Verwechslungsgefahr besteht bei einer Feuchtwunde (Mazeration).

Auf Dekubitus Kategorie I kann mit dem Fingerdruck-Test geprüft werden: Das betroffene (gerötete) Hautareal wird nach kurzem, festen Druck mit dem Finger nicht weiß, sondern bleibt weiterhin rot.

Bei einem Verdacht auf Dekubitus sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.

 

Quellen:
www.epuap.org
www.apupa.at
European Pressure Ulcer Advisory Panel and National Pressure Ulcer Advisory Panel. Prevention and Treatment of pressure ulcers: quick reference guide. Washington DC: National Pressure Ulcer Advisory Panel; 2009

 

© Sabine Diemt, Geschäftsführer von cura domestica

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